Thuja Schulte aus Hoppecke absolvierte ein Erasmus-Praktikum in Valencia

Neun Uhr morgens, fast 38 Grad. Thuja Schulte stand vor einer Klasse in Valencia. Zehn Minuten Aufwärmtraining, dann waren die Schülerinnen und Schüler wach. So begann für die junge Frau aus Hoppecke fast jeder Arbeitstag – weit weg von zu Hause.
Schulte, in wenigen Wochen 20 Jahre alt, machte ein knapp neunmonatiges Praktikum an der internationalen Schule Shackleton. 2025 hatte sie am Berufskolleg Bergkloster Bestwig (BKBB) ihr Abitur gemacht – Fachrichtung Gesundheit und Soziales, Schwerpunkt Sport. Gleich danach ging sie über das Erasmus-Programm nach Valencia. Auch dort lag ihr Schwerpunkt im Sport. Sie unterstützte aber ebenso die Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer.
„Ich finde es sehr bereichernd, Erfahrungen in einem anderen Land zu sammeln“, sagt sie. „Besonders schätze ich die Möglichkeit, die Kultur kennenzulernen und neue Menschen zu treffen.“ Valencia kannte sie schon: Ein erstes Praktikum hatte sie bereits hierher geführt.
Leben mit Menschen aus aller Welt
Neu war die Wohnsituation. Schulte teilte sich eine Wohnung mit Menschen aus Malaysia, Italien und den USA. „Es war eine neue Erfahrung, mit fremden Menschen zusammenzuwohnen und sich gleichzeitig in der enormen Hitze zurechtzufinden.“ Die ersten Tage nannte sie trotzdem „sehr schön“.
Ihr Arbeitstag war lang und abwechslungsreich. Sie begleitete Sport- und Deutschunterricht mit Kindern von drei bis siebzehn Jahren. Sie plante Stunden, korrigierte Tests, beaufsichtigte Klausuren, übernahm Vertretungen und die Pausenaufsicht. Sogar neue Praktikanten arbeitete sie ein. Um 16 Uhr fuhr sie nach Hause.
Unterricht auf Englisch
Vieles lief anders als in Deutschland. Der Unterricht fand fast nur auf Englisch statt. Die Schülerinnen und Schüler trugen Uniformen. Und das Verhältnis zwischen Lehrkräften und Kindern war entspannter. „Konflikte werden deutlich lockerer gehandhabt“, erzählt Schulte. „Das vermittelt den Schülerinnen und Schülern ein positives Gefühl und fördert eine offenere Lernatmosphäre.“
Beeindruckt hatte sie, wie viele Lehrkräfte vier bis fünf Sprachen beherrschten und mühelos wechselten. Sie selbst kam gut zurecht: Im Betrieb sprach sie Englisch, im Alltag oft Spanisch – beim Einkaufen, im Restaurant, beim Arzt. „Ich habe sprachlich sehr viel dazugelernt, seit ich in Valencia lebe.“
Verantwortung, die stark macht
Am meisten gab ihr das Vertrauen der Lehrkräfte. „Sobald gesehen wurde, dass ich zuverlässig bin und gut mit Kindern umgehen kann, wurde mir viel Verantwortung übertragen.“ Dieses Vertrauen gab ihr Sicherheit – auch vor den Kindern. Ihr Mentor Wilson blieb ihr besonders in Erinnerung: „Jede Unterrichtsstunde mit ihm hat Spaß gemacht.“
Das Praktikum veränderte sie. „Ich bin nicht nur selbstständiger, sondern auch selbstbewusster geworden“, sagt Schulte. Sie lernte, sich ein Leben selbst aufzubauen: kochen, waschen, Freundschaften schließen, in einer fremden Sprache zurechtkommen. „All das hat mir gezeigt, dass ich stärker bin, als ich es mir jemals zugetraut hätte.“ Und sie weiß nun klarer, wohin ihr Weg führt: in die Rolle einer Lehrkraft.
Anderen Jugendlichen rät sie zum Erasmus-Programm. „Man wächst über sich hinaus und sammelt wertvolle Erfahrungen fürs Leben.“ Ihr eigenes Fazit fällt knapp aus: „Die Zeit in Valencia hat mir gezeigt, was Freiheit bedeutet, meinen eigenen Weg zu gehen.“
Solche Auslandspraktika ermöglicht das Berufskolleg Bergkloster Bestwig seinen Lernenden über das Erasmus-Programm. Wer eine Ausbildung mit Blick über den Tellerrand sucht, findet am BKBB weitere Informationen.