Hospitieren auf Baskisch

Zu Gast im Kunstunterricht: (v.l.) Stephanie Schulte (BKBB), Rebeca Acordagoitia Obieta und Txelo Rodriguez Martinez. (Foto: SMMP)

Erstmals hat das Berufskolleg Bergkloster Bestwig (BKBB) Erasmus-Gäste zum Job-Shadowing aufgenommen. Vom 5. bis 7. Mai hospitierten Txelo Rodriguez Martinez und Rebeca Acordagoitia Obieta an der Schule. Beide unterrichten am Gernika BHI im nordspanischen Baskenland angehende Erzieherinnen und Erzieher. Beim Job-Shadowing beobachten Fachkräfte einige Tage lang den Arbeitsalltag in einer ausländischen Einrichtung.

Txelo Rodriguez Martinez ist in ihrer Heimat vor allem für Didaktik und die Betreuung von Familien mit gefährdeten Kindern zuständig. Rebeca Acordagoitia Obieta verantwortet den gesundheitsbezogenen Teil der Ausbildung, unter anderem das Modul Erste Hilfe. Ihre Schule ist eine integrierte Einrichtung mit Sekundarstufe, Abitur und beruflicher Bildung. Unterrichtssprache ist vorrangig Baskisch.

Der stellvertretende Schulleiter Andreas Krapp und Bildungsgangleiterin Nadine Kauer empfingen die Gäste. Willi Graf führte sie durch das Haus. Birgit Bagaric, Fachpraxislehrerin am BKBB, begleitete die beiden Lehrerinnen als Mentorin, Susanne Gieß, Leiterin des Erasmus-Programms bei SMMP, übersetzte. Auf dem Programm standen Hospitationen in Unterrichtsstunden angehender Erzieherinnen und Erzieher – in Didaktik, Methodik und Spiel, Ernährung, Bewegung, Musik und Kunst – sowie Besuche in der Montekita Bestwig und der KiTa Stepke Wasserspiel in Sundern.

Ruhe trotz Freiheit

Am stärksten beeindruckte die Gäste die Lernkultur. Im Baskenland gehe es im Unterricht deutlich lauter zu, in Diskussionen werde viel durcheinandergesprochen und sich gegenseitig oft nicht gut zugehört. Am BKBB erlebten sie das anders, etwa bei einem Austausch über das Kinderbildungsgesetz NRW (KiBiz). „Trotz der Freiheiten, die die Lernenden haben, geht es so ruhig und geordnet zu!“, sagt Txelo Rodriguez Martinez. „In Kunst haben alle eigenständig weitergearbeitet, auch als die Lehrerin den Raum verließ, um zu einer anderen Gruppe zu gehen.“ Das gebe es bei ihnen so nicht.

Brennnessel im Smoothie

Ein konkretes Beispiel lieferte der Ernährungskurs bei Irmhild Padberg. Thema waren heimische Wildkräuter: essbare Pflanzen erkennen, bestimmen und verarbeiten. Die Lernenden gingen dafür hinaus in die Natur, sammelten die zuvor besprochenen Kräuter und probierten in Kleingruppen Rezepte aus. Frische Brennnesseln im Orangen-Bananen-Smoothie sorgen zum Beispiel für einen gesunden Eisengehalt.

Der regionale, nachhaltige Ansatz und die Methodik trafen auf Begeisterung. „Das findet leider bei uns im Schwerpunkt Ernährung überhaupt keine Berücksichtigung“, sagt Txelo Rodriguez Martinez. Rebeca Acordagoitia Obieta ergänzt: „Wir bei Gernika BHI müssen unsere Lernenden viel mehr an die Hand nehmen. Die Selbständigkeit hier ist beeindruckend.“

Wie der Kontakt entstand

Den Kontakt knüpfte Susanne Gieß im Herbst 2024 über die Internationalisierungs-Stelle der baskischen Regierung in Bilbao. Diese empfahl Gernika BHI ein Job-Shadowing am BKBB. Selbstverständlich ist ein deutsch-baskischer Austausch nicht. Gernika – international bekannt als Guernica – wurde am 26. April 1937 durch die deutsche „Legion Condor“ und italienische Einheiten zerstört. Picassos gleichnamiges Gemälde gilt seither als Symbol gegen Krieg und Gewalt. Im vergangenen November besuchte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Guernica, um die historische Verantwortung Deutschlands zu bekennen und die Verpflichtung zu bekräftigen, für Frieden, Demokratie und gegen Gewalt einzutreten.

„Dass ausgerechnet zwischen Guernica und einer deutschen Schule ein Austausch entsteht, ist in der heutigen Zeit ein besonders starkes und ermutigendes Zeichen für Verständigung und Frieden“, sagt Susanne Gieß. „Schön, dass das hier im Sauerland geschieht.“

Eine Idee für Picasso

Die Ereignisse von 1937 sprachen Txelo Rodriguez Martinez und Rebeca Acordagoitia Obieta nur kurz an – mit einer Idee. Denkbar sei ein gemeinsames Projekt zu Picassos Werk. An beiden Schulen ist Kunst und Gestaltung eine zentrale Fachrichtung.

Aus dem dreitägigen Besuch soll mehr werden. Geplant sind Hospitations- und Praktikumsplätze in Nordspanien – für Lehrende wie für Lernende des BKBB in den Bereichen Erziehung sowie Gesundheit und Soziales.