
Lucy Sammet hat am Berufskolleg Bergkloster Bestwig Abitur gemacht. Dann packte sie ihre Mappe und fuhr nach Italien und Portugal – mit einem klaren Ziel: Modedesign.
Erst vor wenigen Tagen ist Lucy Sammet zurückgekehrt. Drei Monate Lissabon, davor ein Jahr Florenz – die 19-Jährige aus Brilon hat das Erasmus-Programm genutzt, wie es gedacht ist: ernsthaft, mutig, mit offenem Ausgang. „Besonders geprägt hat mich das familiäre Miteinander an der Schule“, sagt sie über ihre Zeit am Berufskolleg Bergkloster Bestwig. „Vor allem der Kunstunterricht war für mich sehr prägend, da wir uns frei über Kunst austauschen konnten und uns gegenseitig inspiriert haben.“
Florenz: Grundlagen und erste Kollektion
In Florenz besuchte Lucy Sammet die Kunstakademie AD’A. Im Modedesign-Kurs lernte sie die Grundlagen der Modellzeichnung: Proportionen, Körperhaltung, die Darstellung von Stoffen. Dazu kam eine Sprachschule für Italienisch. Ihr Stundenplan war straff, ihr Ziel klar.
Besonders stolz ist sie auf ihre erste selbst entworfene Kollektion. Sie recherchierte, legte ein Thema fest und setzte ihre Ideen schrittweise in Zeichnungen um. Wer die fertigen Illustrationen sieht, erkennt: Hier zeigt sich zum ersten Mal ein eigener Stil.
Im August 2025 folgte ein Praktikum bei der Florentiner Schneiderin Lisa Perin. Der Fokus lag – anders als erwartet – auf Marketing und Social Media. Lucy Sammet drehte Videos, erstellte Fotos und entwickelte Strategien für Instagram und TikTok. „Am schwierigsten war es, das Atelier modern und ansprechend zu präsentieren, dabei aber gleichzeitig die Zielgruppe von Lisa Perin genau anzusprechen.“



Lissabon: Nähmaschine, Fashion Week, Teamarbeit
Von November an arbeitete Lucy Sammet im Studio von Valentim Quaresma in Lissabon. Der portugiesische Designer verbindet Mode, Kunst und Schmuck – oft mit recycelten Materialien. Lucy nähte, bearbeitete Stoffe und half bei der Schmuckherstellung. Das Ziel: die Kollektion für die Lissaboner Fashion Week.
„Im Vergleich zu Florenz war die Erfahrung in Lissabon etwas komplett anderes“, sagt sie. Dort hatte sie Entwürfe gezeichnet. Hier entstanden daraus echte Kleidungsstücke. Ein Rock für die Fashion Week bereitete ihr wochenlang Probleme. Letztendlich hat sie „so lange daran gearbeitet, bis ich das Problem nach fast einer Woche lösen konnte.“ Was sie dabei gelernt hat: Geduld ist in kreativen Prozessen kein Umweg, sondern der Weg.
Was sie aus Lissabon besonders mitnimmt, ist die Atmosphäre im Studio. „Die Modeindustrie ist oft von Konkurrenz geprägt“, sagt sie. Bei Quaresma war das anders: Man half sich gegenseitig und lernte voneinander.
Selbst gesucht, selbst gefunden
Beide Praktikumsstellen hat Lucy Sammet eigenständig recherchiert – über soziale Medien und Initiativbewerbungen per E-Mail. Für Quaresma schickte sie ihr Portfolio: selbst entworfene Kleidungsstücke, Modezeichnungen, künstlerische Projekte. „Ich glaube, dass er darin mein gestalterisches Interesse und meine kreative Herangehensweise erkennen konnte.“
Ihr Tipp an jüngere Schülerinnen und Schüler: Plattformen kennen, direkt Kontakt aufnehmen, offen bleiben. Auch kleinere Ateliers können mehr bieten als erwartet.
Nächster Schritt: Studium
Gerade arbeitet Lucy Sammet an ihrer Bewerbungsmappe für ein Modedesign-Studium. Im Sommer stehen die Aufnahmeprüfungen an. Zum Wintersemester will sie anfangen.




