Gewaltprävention mit Stöcken

Bewegung wird zur Kommunikation. Stockkampf als Schule der Wahrnehmung.

„Ich bin noch nie in eine brenzlige Situation gekommen, in der mir der Gebrauch der Stöcke geholfen hätte“, sagt Steffen Naumann. Der Diplom-Psychologe und Lehrer für Stockkampfkunst war wieder zu Gast am Berufskolleg Bergkloster Bestwig. Zuletzt hatte er vor sechs Jahren hier unterrichtet.

Der Diplom-Psychologe und Tanzpädagoge Steffen Naumann leitet die Auszubildenden im Stock-Kampf an.

Was nach Kampf klingt, hat wenig mit Aggression zu tun. Stockkampf erinnert eher an Tanz und Jonglage. Die Erzieher-Unterstufe erhielt heute eine Einführung in diese besondere Bewegungsform.

Bevor die Schülerinnen und Schüler die Stöcke in die Hand nehmen, beginnt der Unterricht mit Rhythmus- und Koordinationsübungen. Danach stehen sie sich paarweise gegenüber. Jede Begegnung beginnt mit einer Verbeugung. Die Stöcke treffen aufeinander. Die Bewegungen folgen festen Abläufen. Das wirkt ritualisiert und konzentriert. Fast wie ein Tanz.

Die Bewegungen sind vorgegeben, die eigene Kraft kann jeder selbst erkunden.

Klarheit und Struktur bestimmen das Geschehen. Abstand und Form sind vorgegeben. Genau darin liegt der pädagogische Wert. Der Stockkampf wird zu einer Form von Kommunikation. Die Teilnehmenden reagieren aufeinander, ohne sich zu berühren.

Für das Ausleben von Konflikten sei das nicht geeignet, sagt Naumann. Wohl aber für die Gewaltprävention. Es gehe darum, ein Gefühl für die eigene Kraft und für die Kraft des Gegenübers zu entwickeln. Gerade Mädchen und junge Frauen hätten oft keinen klaren Zugang zur eigenen Stärke. Auch der Wunsch, Grenzen zu setzen oder Kraft einzusetzen, sei vielen fremd.

Der Unterricht zielt deshalb nicht auf Sieg oder Überlegenheit. Er schärft die Wahrnehmung. Für sich selbst. Und für andere.